Das Hohenzollernschloss Sigmaringen
Graf Karl I. von Hohenzollern gelangte 1535 in den Besitz von Schloss Sigmaringen, da er die Grafschaften Sigmaringen und Veringen als österreichisches Lehen erhielt. 1558 kamen die Grafschaft Zollern und die Herrschaften Haigerloch und Wehrstein dazu. In einem Erbvertrag teilte Karl I. die Besitztümer und es entstanden die drei schwäbischen Hohenzollern-Linien: Sigmaringen, Hechingen und Haigerloch. Letztere starben aus.Es verblieb die Sigmaringer Linie, die wieder alles unter sich vereinigen konnte. 1623 wurden die Hohenzollern in den Reichsfürstenstand erhoben. Fürst Karl Anton von Hohenzollern (1811-1885) trat 1849 in einem Staatsvertrag sein Fürstentum an das stammverwandte königliche Haus Preußen ab. Damit endete die landesherrliche Geschichte der schwäbischen Hohenzollern.
Fürst Karl Antons Kinder wurden in die europäische Geschichte verflochten: Prinz Karl wurde die rumänische Königskrone angeboten und war als König Carol I. Begründer der Königsdynastie aus dem Hause Hohenzollern, Prinz Leopold lehnte die spanische Thronkandidatur ab und wurde dadurch indirekt Auslöser des deutsch-französischen Krieges, Tochter Stephanie heiratete den portugiesischen König Don Pedro V. und Prinzessin Marie wurde Gemahlin des Grafen Philipp von Flandern (die Urgroßmutter des jetzigen belgischen Königs).
Sigmaringen und das Schloss standen wieder im Rampenlicht als die Franzosen nach Sigmaringen kamen. Von September 1944 bis April 1945 wurde das Schloss zum Regierungssitz Frankreichs durch die französische Exilregierung – die Vichy-Regierung. Innerhalb weniger Stunden musste die Fürstliche Familie damals das Schloss räumen und wurde auf Schloss Wilfingen in Schutzhaft genommen. Seither ist das Schloss unbewohnt. Heute wird es für Repräsentationszwecke, Festlichkeiten und gehobene Veranstaltungen genutzt.
Zur Schlossbesichtigung führt der Weg unter den Gewölben des alten Wehrgangs zum Schlosshof. Über die Kanonenhalle und das Treppenhaus gelangt man in die prachtvoll ausgestatteten Residenz- und Prunksäle, mit deren nahezu unveränderten Ausstattung an kostbaren Möbeln, Porzellanen, Miniaturen, Uhren und Gemälden.
Die große Waffenhalle, die einer Rüstkammer gleicht, enthält ca. 3 000 Schutz- und Trutzwaffen und Rüstungen. Sie stellen eine der größten, privaten Waffensammlungen Europas dar. Im Erdgeschoss wartet eine umfangreiche vor- und frühgeschichtliche Sammlung mit einzigartigen Zeugnissen von der Steinzeit bis zur Alemannenzeit auf seine Besucher. Im Marstallmuseum stehen Zeugen höfischer Fahr- und Reisekultur: Wagen, Schlitten und Sänften aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Die baugeschichtliche Betrachtung des Schlosses zeigt die Entwicklung von einer mittelalterlichen Burg bis hin zum fürstlichen Residenzschloss. Neben den seit 1871 angebotenen Schlossführungen, bei der die Geschichte des Schlosses und der Familie von Hohenzollern in Ausschnitten wiedergegeben wird, gibt es auch die Möglichkeit, die Geschichte nicht nur zu erfahren, sondern aktiv zu erleben. Hierzu bietet das Schloss an bestimmten Terminen im Rahmen der Themen-Führungen ein vielfältiges Angebot.
