Auf den Spuren des Salzes
Die hier beschriebene Strecke folgt den Spuren des Salzes von der Saline Bad Reichenhall entlang der alten Transportroute über Salzach und Inn nach Passau und über den „Goldenen Steig“ bis zur böhmischen Grenze.Salz gewinnen, Sieden, Trocknen, Verpacken – die vier Schritte der Salzerzeugung können im Bad Reichenhaller Salzmuseum in der Alten Saline nachvollzogen werden. Hier schlägt das salzige Herz der Stadt. Seit 1796 fördert die Pumpe die Sole aus den Tiefen des Gesteins. Auf dem Pumpenschlegel ist, in ein Herz geschrieben, die alte Aufschrift „Reich an Hall“(Salz) zu lesen. Riesige Solepumpmaschinen, die bereits seit 1840 unermüdlich ihren Dienst tun, fördern das salzhaltige Wasser nach oben, wo heute die Großsaline mit modernsten Methoden und fortschrittlicher Technik jährlich mehr als 600.000 Tonnen Siedesalz in über 100 Sorten gewinnt.
Bad Reichenhall lädt ein zu einem illustren Stadtrundgang durch die Altstadt mit den heimeligen Häusern, über die Flaniermeile Ludwigstraße bis zum Kurgarten mit Wandelhalle und Gradierwerk. Reichenhaller Salz wurde von 900 bis 1270 auf der Saalach und der Salzach verschifft. Danach wurde es wegen der „wilden Saalach“ auf Fuhrwerken nach Laufen gebracht, um dort auf Salzschiffen nach Passau transportiert zu werden.
Der Salzstraße folgt man ab Bad Reichenhall auf der B 20 zunächst nach Laufen. Im 11. und 12. Jahrhundert war diese Stadt wirtschaftlich wohl noch bedeutender als Salzburg. Es gab sogar eine eigene Münzstätte, in der die „Laufener Pfennige“ geprägt wurden. Die Salzschifferei hatte den Ort und seine Bürger wohlhabend gemacht. Das Niederlage- und Umschlagrecht für Salz aus Reichenhall und Hallein und die Regelung der Salztransporte auf der Salzach war in den Händen des Laufener Patriziats. Ihr historisches Erscheinungsbild hat sich die Stadt bis heute bewahrt.
Der B 20 folgend erreicht man Burghausen mit seiner malerischen Altstadt und der längsten Burg Europas. Täglich bis zu fünf große Schiffe, jedes beladen mit 14,5 Tonnen Salz, machte in den großen Zeiten des 15. und 16. Jahrhunderts an der Lände von Burghausen fest. Damals war die Stadt bayerische Grenzfestung und Zollstation. Kaiser Ludwig der Bayer hatte Burghausen zu einer Handelsdrehscheibe für Salz gemacht. Halleiner Salz musste bis hierher verschifft werden, bevor es „auf der Achse“ weiterbefördert werden durfte. Das brachte Geld in die Stadt. Dieser damalige Wohlstand lässt sich heute noch an vielen reich geschmückten Bürgerhäusern erkennen. Im Mautnerschloss wurde von den „Mautnern von Katzenberg“ der Zoll erhoben. Dadurch wurden sie so reich, dass sie sogar dem Kaiser Geld leihen konnten.
Bei Marktl erfolgt ein Wechsel von der B 20 auf die B 12, der man entlang des Inns bis Passau folgt. Die günstige Lage an Inn, Donau und Ilz verlieh der Dreiflüssestadt Passau eine fast monopolartige Stellung für den Handel mit Salz, das auf Salzach und Inn zur Donau gelangte und von Passau aus auf dem Wasserweg stromaufwärts bis Regensburg, stromabwärts bis Wien transportiert wurde. Die Salzhändler bezogen das Salz zuerst aus Reichenhall, wo das Hochstift Passau Salinenanteile besaß und seit dem 13. Jahrhundert aus Hallein, das fast die Hälfte seiner Produktionsmenge nach Passau lieferte. Am Salzhandel verdienten die Bürger wie ihr bischöflicher Stadtherr.
Die Salzmaut an Inn und Donau war eine wesentliche Einnahmequelle der Fürstbischöfe sowie des Frauenklosters Niedernburg in Ilzstadt. Dies hatte das verbriefte Recht, die so genannte Böhmische Maut zu kassieren. Die Hälfte des Umgeschlagenen Salzes ging nach Böhmen. Die Salzschiffe legten in Passau am linken Innufer hinter dem Schaiblingsturm an. Dort musste das Salz in den Salzstadel eingelagert werden.
Die Landtransporteure, „Säumer“ genannt, mussten das Salz von den Salzherren kaufen und ließen es von den Ilzer Förgen in Schiffen über die Donau in das gegenüberliegende Ilzstadt bringen, um es dort zum Weitertransport über Land auf die Rösser umzuladen. Ein Bummel durch die Altstadt von Passau mit den idyllischen Gassen und Plätzen lässt mit etwas Phantasie das rege Treiben in der damaligen Zeit wieder lebendig werden.
In Ilzstadt gab es im 16. Jahrhundert 23 Wirtshäuser für die Säumer, die dort auch ihre Rösser einstellen konnten. Von hier aus ging es in zweieinhalb Tagesetappen weiter über den Goldenen Steig nach Prachatitz in Böhmen. Jedes Saumross trug eine Last von rund drei Zentnern. Links und rechts je eine „Salzkufe“, wie das Transportbehältnis genannt wurde, und obenauf wurde dann noch ein Sack mit Salz zum Nachfüllen der Kufen gepackt.
Die meisten Säumer waren Bauern aus der Gegend, die sich so ein Zubrot verdienten. Gesäumt wurde während des ganzen Jahres, vor allem aber nach der Erntarbeit, also im Spätherbst und Winter, wenn die Wege fest gefroren waren und genügend Korn als Gegenladung zu bekommen war.
Der Goldene Steig folgt einem alten Weg „übern Wald“. „Golden“ nannte man den Saumweg übrigens wegen des blühenden und gewinnbringenden Handelsverkehrs, wobei Golden von Gulden, dem Zahlungsmittel, abgeleitet wurde.
Von Ilzstadt gelangt man auf der B 12 nach Salzweg. Weiter geht es nach abwechslungsreicher Fahrt auf der Trasse des Goldenen Steigs über Büchelberg nach Waldkirchen. Hier nächtigten die Säumer nach einem Tagesmarsch in einem der 28 Wirtshäuser und versorgten ihre Pferde. Wegen seiner Bedeutung als Marktplatz im Passauer Abteiland ist der Ort mit einer starken, zehntürmigen Ringmauer befestigt worden.
Böhmzwiesel, Fürholz und Grainet sind die nächsten Orte am Weg des Salzes, bevor Freyung erreicht wird. Dieser Ort verdankt seinen Namen der Tatsache, dass Siedler, die sich in den Waldregionen des Bayerischen Waldes niederließen, um zu roden und Landwirtschaft zu betreiben, von den Passauer Fürstbischöfen mit einer mehrjährigen Steuerbe“freiung“ belohnt wurden.
Auf der B 12 führt die Salzstraße nun auf einer Nebenlinie des Goldenen Steigs nach Philippsreut. Von dort folgt man dem Abzweig nach Bischofsreut, wo man wieder auf den ursprünglichen Salzweg stößt. Jetzt ist die böhmische Grenze schon in Sichtweite! Wer will, kann die Salzstraße nach Böhmen hinein über Wallern und Prachatitz bis nach Prag verfolgen.
