Immer der Silberdistel nach
Die Schwäbische Albstraße durchzieht das lang gestreckte schwäbische Mittelgebirge von Südwesten nach Nordosten auf einer Länge von etwa 200 Kilometern.Die Strecke ist durchgehend sehr gut mit einer Silberdistel auf blaugrauem Untergrund ausgeschildert. An einigen Stellen weicht die hier beschriebene Route jedoch von der offiziellen Streckenführung ab.
Von Hechingen oder Burladingen kommend, beginnen Sie die Tour in Beuren mit einem herrlichen Blick über die Westalb mit der Burg Hohenzollern. Zurück auf der B 32 in Richtung Burladingen, geht es bei Killer durch das gleichnamige Tal über Ringingen nach Salmendingen. Die eindrucksvollste Stelle an dieser Strecke ist der Kornbühl mit der Salmendinger Kapelle. Aus flachem Gelände erhebt sich der 886 Meter hohe Berg als ebenmäßiger Kegel. Seine Hänge sind größtenteils dicht von Wacholder-büschen bewachsen. Vom Parkplatz an der Straße aus benötigen Sie etwa 15 Minuten bis zur Kapelle hinauf. Eine Anstrengung die sich lohnt: eine grandiose Aussicht über die Schwäbische Alb bis zum Schwarzwald.
Der Ausschilderung „Schwäbische Albstraße“ folgend erreicht man Erpfingen, einen Teilort der Großgemeinde Sonnenbühl. Malerisch drängen sich die Häuser zwischen den Wald- und Wiesentälern. Im Ort gibt es eine Attraktion: das Ostereier-Museum, einmalig in seiner Art. Inmitten der schönen Naturlandschaft der Kuppenalb mit ihren charakteristischen Trockentälern liegen die Eingänge zu den größten Tropfstein-Schauhöhlen der Region, der Bärenhöhle bei Erpfingen sowie der Nebelhöhle bei Genkingen. Bizarre Stalagmiten und Stalaktiten, in Jahrmillionen geduldig vom kalkhaltigen Wasser geformt, bilden hohe Dome, lange, verwinkelte Gänge und weite Säle – Naturattraktionen ohnegleichen!
Die nächste Sehenswürdigkeit lässt nicht lange auf sich warten: Schloss Lichtenstein. Von Genkingen aus führen Wegweiser zu dem beliebten Ausflugsziel auf der Schwäbischen Alb. Die hoch oben auf einem Kalkfelsen gelegene Burg war in früheren Zeiten uneinnehmbar. 1802 wurde sie zum größten Teil abgerissen und später durch einen Neubau im Stil der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts ersetzt.
Auf der B 312 führt ein Abstecher über Zwiefalten in Richtung Hayingen zur Wimsener Höhle, die einzige aktive Wasserhöhle in Deutschland. Aus der Tiefe der Schwäbischen Alb tritt Karstwasser ans Tageslicht. Schon im 15. Jahrhundert bekannt, besuchte 1803 der Kurfürst Friedrich von Württemberg mit dem Kahn die Unterwelt. Seitdem wird sie auch Friedrichshöhle genannt.
Über Hayingen führt die Tour nach Marbach zum Landesgestüt, wo so manches edle Geblüt in Stall und auf der Koppel zu bewundern ist. In Münsingen folgt man der B 465 nach Bad Urach. Die malerische Stadt war im 15. Jahrhundert für einige Jahrzehnte Residenz der Grafen von Württemberg. Ein Rundgang durch die fachwerkgeschmückte Altstadt zeugt von einer langen Blütezeit als Handelsstadt, die vor allem durch die Tuchmacherei zu Wohlstand kam. Heute präsentiert sich Bad Urach am liebsten als Luftkurort mit einem modernen Heil- und Thermalbad. Der Uracher Wasserfall mit über 90 Meter Fallhöhe ist ein kleiner Abstecher wert.
Von Bad Urach der B 28 folgend, erreicht man den geografischen Mittelpunkt der Schwäbischen Alb, eine Landschaft mit Buchenwälder und Blumenwiesen, Schafheiden, Kuppenbergen und schroffen Felsen. Die höchste Erhebung der Mittleren Alb, der Aussichtsberg Römerstein, war Namenspatron für die Großgemeinde Römerstein mit den Teilorten Böhringen, Donnstetten und Zainingen. Die Ruhe und der verhaltene Lebensrhythmus der Bewohner, der Älbler, machen diesen Teil der Schwäbischen Alb zu einem beliebten Erholungsziel. Als in dieser Gegend noch Vulkane brodelten, rissen Explosionen tiefe Wunden in die Oberfläche, als Reste blieben Minikrater, so genannte Maare. Die Lage von Donnstetten ist ein typisches Beispiel dafür. Aber auch der Dorfanger mit der großen Hüle von Zainingen zeigt die Hinterlassenschaft aus vulkanischer Zeit. Eine Hüle (Teich) entsteht, wenn der Tuffschlot eines Vulkans wasserdicht verschlossen ist. Auf der Albhochfläche sind diese Teiche oft die einzigen offenen Wasserstellen zur Versorgung von Mensch und Vieh. Mit der Christianisierung setzte auch die Besiedlung der Römersteingemeinden ein. Neben Kirchenbauten bildeten Fron- und Herrenhöfe den Mittelpunkt der Siedlungen.
Die Fahrt geht weiter nach Grabenstetten zu einem Parkplatz, der unmittelbar am Heidengraben liegt, einer mächtigen Befestigungsanlage der Kelten. Der noch heute ansehnliche Wall und der Graben trennten ein 1.600 Hektar großes Gebiet wie eine Halbinsel von der Albhochfläche ab und bildeten so ein geschütztes Oppidum (Fliehburg).
Die Albhochfläche befindet sich etwa 400 Meter über dem Vorland und ist wegen der steil abfallenden Berghänge nur schwer zugänglich. Diesen geografischen Umstand machten sich die Erbauer der Festung Hohenneuffen zunutze. Die Festung wurde in nahezu 500 Jahren nie bezwungen. An den südwestlichen Hängen des Bergsporns wird seit dem Mittelalter Weinbau betrieben. Neuffen gilt als die höchstgelegene Weinbaugemeinde in Deutschland. Trotz dieser Lage hat der angebaute Silvaner einen interessanten Charakter und mundet sehr gut zu regionalen Gerichten.
Von Neuffen führt die Route über Beuren mit seiner Panorama-Therme wieder hinauf zur Hochfläche nach Erkenbrechtsweiler und ins Lautertal nach Lenningen. Der B 465 folgend geht es in Gutenberg bergan über Schopfloch zum Randecker Maar, einem nach Norden geöffneten runden Kessel vulkanischen Ursprungs. Im Naturschutzgebiet Randecker Maar, dessen Zentrum aus Tuffstein besteht, existierte früher ein Kratersee, der später durch das Zurückweichen des Albtraufs entleert wurde. Reste davon bilden das Schopflocher Moor, eine für ein Karstgebiet ganz ungewöhnliche Erscheinung.
In abwechslungsreicher Fahrt führt die Schwäbische Albstraße über Hepsisau und Neidlingen nach Wiesensteig mit den hübschen Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz mit dem Elefantenbrunnen. Der Elefant ist das Wappentier derer von Helfenstein. Von weitem ist das Malakoff-Viadukt des 1957 fertig gestellten Albaufstiegs der Autobahn Stuttgart-München zu sehen. Unter der Autobahn hindurch erreicht man Gosbach, einem Teilort von Bad Ditzenbach. Nach einem entspannenden Bad in der Therme endet die Route in Deggingen mit einem Besuch der schön gelegenen Marien-Wallfahrtskirche Ave Maria aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Die Schwäbische Albstraße führt aber noch weiter über Geislingen und Heidenheim bis Aalen mit vielen Schönheiten zum individuellen Entdecken.
