RouteOberschwäbische Barockstraße

Im Himmelreich des Barocks

Eine Fahrt entlang der 500 Kilometer langen gut mit einem gelben Puttenkopf auf grünem Grund ausgeschilderten Oberschwäbischen Barockstraße ist ein sinnliches Vergnügen: die Kirchen, Klöster und Schlösser zwischen Donau und Bodensee haben weitgehend ihr ursprüngliches Gesicht bewahrt, der Kunstgenuss ist dadurch vollkommen und zudem geben Entspannung und Erholung im Wald und am Ufer von Flüssen und Seen wieder neue Kraft für die nächste Station durchs Barockzeitalter.

Die Straße ist in vier individuelle Routen gegliedert, die überwiegend als Rundstrecken befahren werden können. Die hier beschriebene Strecke orientiert sich an der Hauptroute.

Ausgangspunkt ist Ulm, genauer Wiblingen. Das ehemalige Benediktinerkloster Wiblingen wurde 1093 vor den Toren Ulms als Reformkloster gegründet. Zwischen 1714 und 1783 ließ der Konvent einen Neubau errichten. Herzstück neben der dem Heiligen Martin geweihten Klosterkirche und dem Kapitelsaal ist der eindrucksvolle, repräsentative Bibliotheksaal.

Weiter geht es nach Laupheim mit seinem imposanten Schloss Großlaupheim, das heute das Museum zur Geschichte der Christen und Juden beheimatet. Zusammen bilden Schloss mit dem Rosengarten und der Schlosspark ein romantisches Ensemble.

Der Route folgend gelangt man nach Gutenzell. Der Ort wird beherrscht von der ehemaligen Zisterzienserinnen-Reichsabtei mit seiner Kirche St. Kosmas und Damian. 1755 wurde der Bau durch Dominikus Zimmermann zu einem der schönsten spätbarocken Sakralräume Oberschwabens umgestaltet. Weithin bekannt ist die Gutenzeller Barockkrippe mit acht möglichen Darstellungen und 200 Figuren.

Nächste Station der Oberschwäbischen Barockstraße ist Biberach mit seiner Stadtpfarrkirche St. Martin. Das gotische Bauwerk wurde im 18. Jahrhundert im Innern barockisiert. Die bauliche Entwicklung von Gotik zum Barock lässt sich auch am Marktplatz nachvollziehen. Der Platz ist einer der Schönsten in Süddeutschland und wird von prächtigen Patrizierhäusern gesäumt. Sehenswert ist auch der Weberberg, eine der letzten mittelalterlichen Zunftsiedlungen Deutschlands.

Die Route führt weiter nach Ochsenhausen. Auf einer Anhöhe über der Stadt thront die mächtige Anlage der ehemaligen Benediktiner-Reichsabtei. Das 1093 erstmals erwähnte Kloster zählte über 700 Jahre zu den bedeutendsten Klöstern in Oberschwaben. Das Innere und die Westfassade der Klosterkirche St. Georg sind barockem Ursprung. So auch die berühmte Gabler-Orgel mit 3333 Pfeifen. Das Konventgebäude ist nach Jesuitischem Vorbild erbaut: die Kirche ist die Mittelachse und Zentrum der Anlage. Die Ostseite des Konvents ist rund 110 Meter lang. Das Refektorium und die Treppenhäuser sind barock ausgestaltet.

Der Weg führt nach Rot an der Rot. In der ländlichen Abgeschiedenheit des Dorfes erhebt sich die ehemalige und großzügige Klosteranlage St. Norbert der Prämonstratenser. Die Ausmaße der Anlage lassen auf die frühere Bedeutung und Wirkungskreis des Klosters schließen. Nach einem Brand wurde 1777 die Barockkirche neu erbaut. Sehenswert sind die schönen Stuckarbeiten aus der Wessobrunner Schule.

Auf der nächsten Etappe wartet Bad Wurzach. Ein Juwel der Barockstraße ist das Treppenhaus im Bad Wurzacher Schloss. Im Kloster Maria Rosengarten gilt die Rokokokapelle aus dem Jahr 1763 als „die schönste Hauskapelle der Welt“. Sehenswert ist auch das bedeutende Deckenfresko im Langhaus der Pfarrkirche St. Verena. Die Barockkirche zum Heiligen Kreuz aus dem Jahr 1709 stellt eine kunsthistorische Sehenswürdigkeit dar. Sie steht auf dem Bad Wurzacher Gottesberg, von dem aus in klaren Tagen das Alpenpanorama bewundert werden kann.

Die Pfarrkirche St. Katharina in Wolfegg ist zweifellos eine der prächtigsten Barockkirchen Oberschwabens. Der Innenraum mit spätbarockem Stuck und großflächigen Fresken ist vorbildlich. Viele weitere Ausstattungsdetails, etwa die großartige Kanzel, die Grisaillemalereien, die großräumige Fürstenloge des im benachbarten Schloss ansässigen fürstlichen Hauses von Waldburg-Wolfegg-Waldsee, der barocke Kreuzweg und nicht zuletzt die Wolfegger Blumenschmecker auf dem rechten Seitenaltarbild lohnen einen Besuch.

Wangen im Allgäu ist ein mittelalterliches Kleinod. Die malerische ehemalige Reichsstadt überrascht mit einem der schönsten Straßenbilder Süddeutschlands. Viele sorgfältig restaurierte historische Gebäude und 25 Brunnen machen den Stadtbummel zu einem Erlebnis.

Hoch oben auf dem Martinsberg, die Stadt Weingarten überragend, liegt „Schwäbisch St. Peter“, Deutschlands größte Barockbasilika. Das barocke Meisterwerk besitzt nahezu exakt die Hälfte der Ausmaße des Peterdoms in Rom. In nur neun Jahren wurde die Kirche zur Verehrung und Anbetung der Heilig-Blut-Reliquie erbaut. Lichter Stuck harmoniert mit kunstvollen Fresken. Der Hochaltar, das Chorgestühl und das goldene Chorgitter vereinigen sich in vollendeter Pracht. Nicht zu vergessen: die berühmte Orgel von Joseph Gabler mit 6666 Pfeifen.

Der Bibliothekssaal des ehemaligen Prämonstratenserklosters Schussenried ist einer der Höhepunkte der Oberschwäbischen Barockstraße. Dieses spätbarocke Gesamtkunstwerk wurde 1755-1763 erbaut. Im Auftrag von Abt Didacus Ströbele vom Kloster Schussenried wurde 1731 die Wallfahrtskirche Steinhausen von dem berühmten Baumeister Dominikus Zimmermann erbaut. Die Deckengemälde stammen von seinem Bruder Johann Baptist Zimmermann. Im Jahre 1865, nach Auflösung des Klosters, ging die Kirche in den Besitz der kleinen Gemeinde über. Deshalb spricht man seit Jahrzehnten von der „schönsten Dorfkirche der Welt“.

Zum Ende der Tour erreicht man Obermarchtal. Das Prämonstratenserstift erhielt im 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen. Hier wirkte auch Sebastian Sailer. Von ihm stammt die Dialektdichtung „Die Schöpfung des ersten Menschen“. Als die 15jährige Erzherzogin Maria-Antonia, die jüngste Tochter Maria Theresias, mit dem Brautzug von Wien nach Versailles 1770 im Stift Marchtal Station machte, schrieb Sailer für sie ein Festspiel. Auf einem Klosterprospekt jener Zeit ist die „Wohnung der Österreichischen Erbprinzessin und Königin Frankreichs“ eigens eingezeichnet worden.
Rezept aus Köstliches Deutschland
Leckere und interessante Rezepte vom kulinarischen Reiseführer.
Impression der Route
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