In Ulm, um Ulm und um Ulm herum
Um das typische Ulm zu entdecken, bietet sich zunächst ein Stadtrundgang an, bevor Sie eine Rundfahrt in die Umgebung von Ulm antreten. Das in Gotik und Renaissance gewachsene Stadtbild von Ulm war weitgehend erhalten, als die Stadt im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche sank und 85 Prozent der als Gesamtkunstwerk hoch gerühmten Altstadt dem Erdboden gleichgemacht wurden. Dennoch sind einige Gassen und Viertel so erhalten geblieben, dass sie einen Eindruck des reichsstädtischen Lebens vermitteln können.Den Rundgang beginnt man auf dem Münsterplatz. Wuchtig und grandios erhebt sich der Münsterturm aus dem Rund der Häuser. Wer die vielen Stufen hinaufsteigt, wird auf dem letzten Kranz mit einem herrlichen Blick über die Stadt, auf die Donau und auf das Umland belohnt. Zurück aus schwindelnder Höhe, geht man in die Altstadt. In dem Viertel zwischen Donau und Blau waren Schiffer und Fischer daheim, nutzten Müller, Gerber und Färber die Wasserarme für ihre Tätigkeit. In der Fischergasse steht noch ein Gerberhaus von 1500 mit Original-Lauben, die zum Trocknen der Häute dienten. Auf Holzsäulen steht das „Schiefe Haus“ aus dem 16. Jahrhundert im gurgelnden Flussbett Schmale Stege führen durch handtuchbreite Gänge zum Fischerplätzle, das von zwei Prachtfachwerken eingerahmt wird: dem „Zunfthaus der Schiffsleute“ und dem „Schönen Haus“, einem Schiffmeisterhaus aus dem 17. Jahrhundert. In der Kronengasse geht es vorbei am Gasthaus „Zur Krone“, früher eine Fürstenherberge mit adeliger Gästeliste: Kaiser Ruprecht, Kaiser Maximilian I., König Ferdinand und eine Vielzahl von Erzherzögen, die in Ulm Quartier nahmen. Die nächste Station ist das Rathaus mit seinen reich verzierten Fassaden und der astronomischen Uhr. Im Innern ist eine Nachbildung der Berblingerschen Flugmaschine zu sehen.
Nach dem Überqueren des Münsterplatzes geht es über die Platzgasse in das alte Handwerker- und Kaufmannsviertel nördlich des Münsters. Salzstadel, Büchsenhof und Kornhaus sind eindrucksvolle Stadelhäuser. Durch die Pflug-, Kohl-, Raben- und Hafengasse (dort waren die Töpfer zu Hause) geht es in das Viertel der Weber, das vorbildlich sanierte Gebiet mit dem Zeughaus. Der Weg zurück zum Münsterplatz führt an die Donau, entlang der Stadtmauer, vorbei an der Adlerbastion, wo Albrecht Berblinger seinen berühmten Flugversuch als Schneider von Ulm unternahm. Auf der Stadtmauer gelangt man zum Metzgerturm und von dort über das Rathaus wieder zum Münsterplatz.
Nicht vergessen sollte man den Blick von Neu-Ulm auf die Stadtsilhouette von Ulm. Ein bezauberndes Postkartenmotiv: Donau mit Stadtmauer, dahinter die spitzgiebeligen Stadthäuser, und über allem ragt das Münster.
Die Rundfahrt zu den Landsitzen der Ulmer Patrizier und Kaufleute beginnt in Reutti. Im 13. Jahrhundert wurde das Anwesen von den Grafen von Kirchberg an die Patrizier zu Lehen gegeben. Um 1805 soll Napoleon hier mit seiner Generalität gewohnt haben, bevor er nach Oberelchingen eilte, um seinen Soldaten im Kampf gegen die Österreicher Mut zuzusprechen. Die französische Besetzung richtete in Reutti einen Schaden von 13.097 Gulden an – eine ungeheure Summe für die 127 Einwohner des Dorfes. Der Schlossherr von Reutti hatte sich zuvor nach Ulm in Sicherheit gebracht und vom französischen Obristen eine Schutzwache erwirkt. Das Schloss blieb unzerstört.
Unweit von Reutti und Holzheim steht das nächste Refugium am Buchenwald: Schloss Neubronn mit dem Gut Tiefenbach. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nichts hat das Original aus dem 16. Jahrhundert zerstört oder verändert. Alles ist noch da, auch der Seilzug, mit dem einst die Fruchtabgabe der Untertanen auf die Schlossbühne gehievt wurde. Immer noch gibt es nur ein Plumsklo, immer noch versorgt eine eigene Quelle das Schloss mit Fließwasser. Original ist auch die auffällige Sonnenuhr auf der Südseite des Gebäudes.
In Illereichen legten die Herren von Rechberg im 15. Jahrhundert eine Handwerkersiedlung an und sicherten sie mit einer mächtigen Burg. Heute erinnert nur noch das Torhaus an den Adelssitz.
Das Vöhlinschloss in Illertissen gehörte zum Besitz des Grafen von Kirchberg und wechselte im 16. Jahrhundert zu Eduard II. Vöhlin, der das Schloss zu seinem Herrschaftssitz machte. Während des Bauernkrieges suchten die Vöhlins in Ulm Schutz. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg wegen Geldmangels an den Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern verkauft. Heute gehört das Schloss dem bayerischen Staat und beherbergt ein interessantes Bienenmuseum.
In Oberkirchberg bauten die reichen Fugger das Neue Schloss, nachdem zuvor Teile des Alten Schlosses durch einen Bergrutsch in die Iller stürzten. Die Fugger hatten schon immer ein Händchen, wenn es darum ging, Einnahmequellen aufzutun. Unterhalb des Schlosses betrieben sie eine Fähre über die Iller, die später durch einen Steg ersetzt wurde. Sehr zum Unwillen der Reichsstadt Ulm, die seit 1440 den Brückenzoll in Unterkirchberg besaß und in jenem Steg eine Konkurrenz sah. Kurzerhand ließen die Ulmer diesen Steg zerstören. Freilich vergebens, denn Anton Fugger erwirkte von Kaiser Karl V., der viel Geld schuldete, das Recht, eine Brücke zu errichten, die man sogar mit Wagen befahren konnte. Das Schloss Oberkirchberg ist bis heute der Wohnsitz der gräflichen Familie derer von Thun und Fugger-Kirchberg. Senden, als gräflicher Besitz auf der bayerischen Seite der Iller, war schon immer eng mit den Geschicken der Fugger von Oberkirchberg und der besagten Brücke verbunden. 500 Jahre verlief hier auch die Grenze zum österreichischen Machtbereich.
Das Schloss der Herrschaft von Erbach bekam Ludwig von Ulm 1620 als Lehen überlassen. Das Geschlecht derer von Ulm kommt aus der Bodenseegegend. Heinrich von Ulm war zur Zeit des Konzils Bürgermeister in Konstanz und wurde 1418 zum Ritter geschlagen. Sein Nachkomme Ludwig von Ulm sammelte Verdienste am Hof zu Prag bei Kaiser Rudolf II. und avancierte zum Reichsvizekanzler.
Letzte Station auf der Fahrt um Ulm und um Ulm herum ist Thalfingen. „Das Wasser ist aber kristall hell, hat wenig Alaun und läuft über Bergweiß (Kalk), Kreide und Gipserde…im Trinken trocknet es und machet Durst“, so wurde anno 1786 das Gesundheitsbad Oberthalfingen beschrieben. Das Schlossgut Oberthalfingen war zu dieser Zeit übrigens im Besitz der alten Ulmer Patrizierfamilie von Besserer.
