Im Kuckucksuhrenländle
Auf dieser Route Schwarzwälder Uhren- und Kulturgeschichte wird man viel über die Lebensweise der „Hüslibure“, der Schwarzwälder Handwerker, der Uhrmacher, Patres, Schnitzer und Uhrenschildmaler erfahren.Vom Kneippkurort Villingen am Donauquellfluss Brigach sollte man zunächst dem Schild Uhrenstraße Richtung Furtwangen folgen. Es geht durch das Kirnachtal bis Unterkirnach. Von der Friedrichshöhe mit ihrem Berggasthof neigt sich die Straße in Windungen hinab ins Bregtal nach Vöhrenbach und Hammereisenbach, steigt wieder bergan nach Eisenbach, einem bedeutenden ehemaligen Uhrenzentrum mit ländlichen Ortsteilen, die auf sonnigen Hochplateaus liegen.
Unermesslich scheinen die Wälder rundum in diesem Ferienparadies, die uns bis Titisee-Neustadt und weiter im Hochschwarzwald begleiten. Wir hören in den Uhrmacherdörfern, den Städtchen, bei den Bauern auf ihren Höfen und in den Museen viel von den geschickten Wälderbure, den Drechslern, Schneflern und Schnitzern, den Schindelmachern und Löffelschmieden, die im 17., 18. und 19. Jahrhundert mit Fleiß, Geschick und Phantasie Uhrengehäuse, Werke, Schilder, Ketten, Pendel und vieles mehr fertigten. Künstler waren darunter, die Flötenuhren bastelten mit Musikwerken oder Kuckucks- und Wachtelruf, edle Uhrenfassungen schnitzten und Schilder bemalten. In Neustadt bekommt man im Heimatmuseum einen sehr guten Einblick in diese Welt der Erfinder. Gespannt ist man auf den Schottenhof, auf dem das „Schottenührle“ erarbeitet wurde.
In Neustadt geht es von der B 31 rechts ab ins Langnordnachtal – nach etwa 2 Kilometer führt links ein Stichsträßchen zum Schottenhof. Weit dehnt sich sich das Langenordnachtal mit seinen uralten Schwarzwaldhöfen bis hinauf nach Waldau, einem alten Uhrendorf, das einst – wie die Glashöfe an der Redeck – zur Vogtei des Klosters St. Peter gehörte. Hier haben die Brüder Kreuz in der Mitte des 17. Jahrhunderts die erste hölzerne Waaguhr des Schwarzwaldes ertüftelt. Einige andere Begabte wie der „Hackbretter-Lenz“ von St. Märgen oder Simon Dilger aus Schollach haben in dieser Zeit auch ihre ersten hölzernen Uhren vorgestellt.. Den Glashof findet man bei Waldau, auf der B 500 einige hundert Meter Richtung Titisee, dann rechts abbiegend.
Der Deutschen Uhrenstraße folgend fahren Sie beim Turner rechts auf einer der schönsten Etappen nach St. Märgen und St. Peter. Weit öffnet sich hier in tausend Meter Höhe die eindrucksvolle Landschaft des Hochschwarzwalds. Wie Wellen wogen die Bergkämme in vielen Farbnuancen in- und übereinander: das Feldbergmassiv, das Schauinslandmassiv, der Kandel. Dazwischen die tiefen Einschnitte des Höllentals und Ibachtals. Hier möge man anhalten, um in den Klöstern St. Märgen und St. Peter Kunst- und Uhrengeschichte aufzuspüren.
Die Uhrenstraße windet sich in steilen kurven hinunter ins rebenreiche Glottertal nach Waldkirch. Weiter geht es durchs Elztal bis Bleibach. Dann macht sie einen scharfen Knick nach Osten und wird aufgenommen vom romantischen Simonswäldertal. Im lang gezogenen Ort gleichen Namens wirkten einst viele Uhrmacher, werden heute noch Uhren hergestellt. Das 18 Kilometer lange Simonswäldertal ist voller Kurzweil, es führt in Serpentinen hinauf nach Gütenbach und Neukirch, Dörfer, die zu den Uranfängen der Schwarzwälder Uhrmacherei gehören.
Furtwangen im Tal der Brigach bekam die erste Uhrmacher- und Schnitzerschule. Im neu gestalteten Deutschen Uhrenmuseum wird man am besten kundig über die ganze Entwicklung der Schwarzwälder Uhrmacherkunst und ihre Industrialisierung. Es ist gewiss das schönste Uhrenmuseum der Welt. Neugierig setzt man nun die Reise fort und wird in Kehren hinaufgeführt zum sonnigen Plateau, auf dem sich Schönwald ausbreitet. Hier wurde 1730 von Franz Ketterer die erste Schwarzwälder Kuckucksuhr gefertigt.
Die Fahrtroute führt mitten hinein ins Kuckucksuhrenländle – nach Schonach. Dort steht die größte Kuckucksuhr der Welt. Dann geht´s bergab ins tief eingekerbte Gutachtal nach Triberg mit seinen berühmten Wasserfällen. Der Gutach folgend erreicht man das Städtchen Hornberg, das durch das „Hornberger Schießen“ bekannt wurde.
Durch das Reichenbachtal windet sich die Straße hinauf bis zum Fohrenbühl und von der Kammhöhe durch das Lauterbachtal nach Schramberg, das bedeutende Zentrum der Uhrenindustrie bis zum heutigen Tage. Um das einst bedeutende Kloster St. Georgen haben sich in den Höfen und Gewerbestätten Uhrmacher, Packer, Uhrenträge und Händler betätigt. Nun nähert sich die Uhrenstraße, im Uhrzeigersinn, ihrem Ende in Villingen-Schwenningen.
Wer diese Kulturlandschaft rund um die Deutsche Uhrenstraße wirklich erschöpfend erleben möchte, sollte vier bis acht Tage einplanen.
