Im Fränkischen Weinland
Eine gute Möglichkeit, Mainfranken zu „erfahren“, bieten die fünf Routen der Bocksbeutelstraße. Sie gehen alle von Würzburg aus und führen Richtung Süden bis Aub und weiter nach Tauberbischofsheim (55 Kilometer), gegen Norden nach Karlstadt bzw, Hammelburg (60 Kilometer), ostwärts nach Abtswind und Ippesheim (110 Kilometer) und weiter über Bad Windheim nach Markt Nordheim (55 Kilometer), auf der Westroute nach Marktheidenfeld und weiter bis Michelbach (160 Kilometer) sowie zur Mainschleife bei Volkach (110 Kilometer). Die hier beschriebene Route führt von Würzburg ausgehend durch das Maindreieck und nach Ipsheim an der Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße.Von der Festung Maienberg hoch über dem Main erschließt sich die ganze Schönheit von Würzburg auf einen Blick. Die vielen Kirchen fallen als Erstes auf und erinnern daran, dass Würzburg seit über 1200 Jahren geistlicher Mittelpunkt der Region ist. Der Dom und das benachbarte Neumünster, die spätgotische Marienkapelle am Markt, der mächtige Renaissancebau der Universitätskirche, der Rathausturm an der Ostseite der Alten Mainbrücke prägen eine eindrucksvolle Stadtsilhouette. Unter der Herrschaft des kunstsinnigen Hauses Schönborn erlebte Würzburg seine Blütezeit. Balthasar Neumann erbaute 1719-1744 die Residenz, das „Schloss über allen Schlössern“.
Rund 200 Jahre früher legte Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn den Grundstein zu seiner Stiftung, die die Jahrhunderte trotz aller Schicksalsschläge überdauerte: das Juliusspital. Julius Echter bestimmte, dass hier „ein Spital für allerhand Sort Arme, Karncke, unvermögliche, auch schatthaffte Leuth, die wundt und anderer Artzney nottdürfftig sein, deßgleichen verlassene Waysen und dann für uberziehende Pilgram, und dörftige Personen aufzurichten und zu bauen sey“. Dazu hatte der Fürstbischof sein Spital reichlich mit Grundbesitz ausgestattet, um die Finanzierung der Stiftungsaufgaben zu gewährleisten.
Heute gehört das Weingut Juliusspital mit über 163 Hektar Rebfläche zu den größten Weingütern in Deutschland. Nur das Juliusspital kultiviert in allen fünf Spitzenlagen Frankens, im Würzburger Stein, den Randersackerer Pfülben, dem Iphöfer Julius-Echter-Berg, dem Escherndorfer Lump und dem Rödelseer Küchenmeister. In den 250 Meter langen Kellergewölben unter dem Fürstenbau werden die Weine in über 230 Holzfässern, teilweise mehr als 100 Jahre alt, zu hervorragenden Qualitäten ausgebaut,
Von Würzburg geht es weiter nach Dettelbach, einem Juwel unter den mainfränkischen Winzerorten. Nach einem Gang durch die malerische, mauerumfangene Altstadt, sollte unbedingt der Wallfahrtskirche „Maria im Sand“, mit dem einmaligen Renaissanceportal von Michael Kern und den barocken Kunstwerken, ein Besuch abgestattet werden.
Die ganze Pracht geht angeblich auf einen kleinen Vorfall zurück: Ein auswärtiger Taglöhner soll in Dettelbach arg verprügelt worden sein, wurde aber gleich wieder gesund, nachdem er einen in den Weinbergen stehenden hölzernen Bildstock mit der Mater dolorosa angefleht hatte. Rasch hatte sich das Wunder herumgesprochen – und in nur zwei Jahren soll es über 60 Gebetserhörungen gegeben haben. Schon bald hatte der Ort seinen festen Platz in der Volksfrömmigkeit.
Urban Degen, ein findiger Konditor aus dem Ort. Kreierte sogar ein eigenes Wallfahrergebäck: Muskatzinen, ein feines, dezent süßes Gewürzbrötchen in Form einer Doppelmuschel.
Von Dettelbach fährt man durch die Weinberge nach Escherndorf mit seinen Spitzenlagen Fürstenberg und Escherndorfer Lump. Der Name „Lump“ steht übrigens nicht, wie man vermuten könnte, für einen Ganoven, der sich im Weinberg herumtrieb, sondern geht auf die Aufteilung des Weinbergs in Kleinstparzellen zurück. Auf der Feldmarkenkarte sehen diese Parzellen aus wie ein „Teppich aus Lumpen“. Überhaupt geben die Lagenbezeichnungen Auskunft über spezielle geologische Formationen oder historische Besitzverhältnisse.
Von Escherndorf nach Nordheim. Der schnellste Weg ist ein Übersetzen mit der Fähre über den Main. Nordheim ist Frankens flächenmäßig größte Weinbaugemeinde. Der Ort schmückt sich gern mit Superlativen. Er gilt als das „sangesfroheste und musikalischste Dorf“ mit den „schönsten Mädchen“ im Bocksbeutelland. Einen Superlativ verdienen auf jeden Fall die Lagen Vögelein und Kreuzberg.
Von Nordheim ist es nicht weit nach Volkach, die bekannte Weinstadt am Main. Sehenswert ist der von alten Bürgerhäusern umrahmte Marktplatz mit Brunnen und Rathaus. Das Obere Tor schmücken die Wappen des Fürstbischofs Julius Echter und der Stadt Volkach. Unweit der Stadt über dem Main auf dem Kirchberg steht „Maria im Weingarten“ mit der berühmten „Maria im Rosenkranz“ von Tilman Riemenschenider.
Die Bocksbeutelstraße führt weiter über das mittelalterliche Sommerach mit den weithin bekannten Weinlagen Katzenkopf und Rosenberg, vorbei an dem sehenswerten Bildstock „Graue Marter“ bei Schwarzach-Gerlachshausen nach Kitzingen und dann nach Iphofen. Der bekannte Frankenweinort liegt am Fuß des Schwanbergs, wo schon 1692 Sivanerreben gepflanzt wurden. Ein Rundgang innerhalb der imposanten mittelalterlichen Befestigungsanlage ist ein Muss. Besonders wegen des Rödelseer Tors und der Kirche St. Veit, wo man Tilman Riemenschneiders Evangelisten Johannes (um 1490) bewundern kann.
Nun kann man den weiteren Straßenverlauf wählen. Auf der Südroute der Bocksbeutelstraße geht es weiter über Marktbreit und Frickenhausen nach Sommerhausen, dem romantischen Künstlerstädtchen am Main. Die Sommerhäuser Lagen Reifenstein, Steinbach und Ölspiel sind besonders für ihre Scheureben bekannt. Über die Mainbrücke gelangt man nach Winterhausen auf der anderen Seite des Mains. In Winterhausen fallen besonders die typisch fränkisch verzierten Fachwerkhäuser auf. Zurück auf die andere Mainseite führt die Route über das malerische Weinstädtchen Eibelstadt nach Biebelried.
Wer den südöstlichen Verlauf der Bockbeutelstraße folgen möchte, fährt von Iphofen in Richtung Marktbreit und biegt in Richtung Iffigheim ab um nach Ippesheim am Steigerwald zu gelangen. Gemütlich geht es über Ulsenheim und Ergersheim nach Bad Windsheim. In dem gemütlichen Frankenstädtchen sollte man sich unbedingt das Fränkische Freilandmuseum ansehen, bevor man die Weinregion um Ipsheim mit Schloss Hoheneck erreicht. Beim Spaziergang durch die gepflegten Ipsheimer Weinberge mitten in „Frankens gemütlicher Ecke“, kann man der Alltagswelt entfliehen und besondere Naturerlebnisse genießen. Um rahmt von Grüngürteln liegen die steilen Rebhänge mit rund 35 Hektar Rebfläche und den ökologisch wertvollen Grünflächen unter der alten Zollernburg Hoheneck aus dem Jahr 1132.
Dieser beeindruckende landschaftliche Reiz ist verbunden mit einem malerischen Panoramablick über das weitläufige obere Aischtal. Seit etwa 916 wird der Weinbau auf den vorzüglichen Lagen im südlichsten Weinbauort der Frankenhöhe betriebe
