Es gibt nichts Besseres als was Gutes
Wie so Vieles im Leben begann es mit einer großen Liebe. Auf dem Fuggerschen Schloss verliebte sich die Schlossköchin Catherina unsterblich in den Hofbäcker Barthl Paur. Sie heiraten, nehmen beim Gotteshaus St. Peter und Paul 150 Gulden Kapital auf, bauen ein Haus und machen sich selbständig Das war 1740, die Geburtsstunde der „Kreuz Wirtschaft“.Die Wirtin vom „Kreuz“, dem Zeichen alter Hospiz-Herbergen, bekocht zunächst das Kloster-Kapitel, danach kommen die Handwerker, die Wirtschaft wird Zunfthaus. Nach wechselvoller Geschichte kommt die Wirtschaft in den Besitz von Großvater Sohr, der Braumeister ist. Leo Kusterer, erfolgreicher Schiffskoch auf dem damals größten Passagier-Dampfer der Welt, dem „Imperator“, heiratet 1922 ins „Kreuz“ ein.
Sohn Heinz Kusterer widmet sich zunächst ganz der Konditorei und Confiserie. Nach Lehre, Fachschule und Aislandsaufenthalt in der Schweiz und Norwegen, wurde er zuhause gebraucht. Kochen lernte er bei Vater und Mutter, dabei kommt nun seine heutige Frau Magda ins Spiel. Sie war als „Kocherl“ und Serviererin im „Kreuz“ beschäftigt. Das Landgasthaus wurde zum Hotel ausgebaut. Gekocht wird im „Kreuz“ nach alter Sitte: ehrliche ländliche Kost mit Zutaten aus Garten und Region. Als Mitglied der „Schwäbischen Kartoffelwirte“ bietet die Küche Spezielles rund um die Kartoffel.
Kusterers große Leidenschaft sind nach wie vor die Pralinen. Gelernt in der internationalen COBA AG in Basel werden die kleinen Gaumenfreuden handgemacht nach alten Rezepten. Diese stammen aus der Schweiz, Frankreich und Luxemburg/Belgien. Sie enthalten im Interieur frische Butter, Sahne, Eigelb usw. und sind deshalb besonders gut – aber auch empfindlich und für alsbaldigen Verzehr bestimmt.
Schon die Namen der Sorten können einen ins Schwärmen bringen: Delicieux, Dent du Midi, Malakoff, Trois Freres, Mont Blanc, Rumba, Phalene, Baumstämmli, Madaleine usw., die Liste ließe sich unendlich fortführen. Ein Zeitungsbericht ließ vor einigen Jahren aufhorchen, denn nicht wie vielfach vermutet in Frankreich, sondern in Bayern wurden die ersten Pralinen kredenzt.
1663 hatte der Handelsherr Fugger seinen Koch-Patissier mit zur Sitzung des „immerwährenden Reichstages“ nach Regensburg genommen, wo dieser auf die Idee kam, das sonst übliche Reichstagskonfekt mit Schokolade zu überziehen – die Geburtsstunde der Praline. Diese Information ergab die zündende Idee so eine Reichstagspraline nachzuempfinden. Es entstand die „Fugger-Praline“. Nuss-Mandel, Gianduja mit Schokoladenüberzug, darauf eine Orange-Marzipan-Lilie und diese mit Blattgold verziert. Der Glanz und die Herrlichkeit des ganzen Fugger-Zeitalters vergehen dabei schmelzend auf der Zunge.
Wer sich im nostalgischen Cafe-Laden mit den süßen Versuchungen eindeckt, sollte auch bei gegebener Zeit nach den Elisen-Lebkuchen fragen. Nach einem geheimen Familienrezept hergestellt liefert Heinz Kusterer sie sogar schon nach Nürnberg. So trägt man Eulen nach Athen.
