Ein Paradies für Naturfreunde
Ungefähr 120 Kilometer südlich von Berlin und nördlich von Dresden befindet sich eine amphibische Niederungslandschaft, durchzogen von der Hauptspree und ihren zahllosen Seitenarmen. Ein riesiges Netzwerk von Kanälen und Fließen teilt das Land und durchdringt die urwüchsigen Wälder. Die Länge der Spreewälder Wasserläufe beträgt aneinandergereiht etwa 1000 Kilometer."Wer im Spreewald ertrinkt, ist nur zu faul zum Aufstehen" lautet ein Spreewälder Sprichwort.
Dieses Niederungsgebiet ist in einer Schwemmlandzone des Baruther Urstromtals entstanden. In diesem Tal flossen einst die Tauwasser der letzten Eiszeit ab. Übrig geblieben ist der Spreewald in einer Nord-Süd-Ausdehnung von 75 Kilometern und einer Breite von bis zu 16 Kilometern.
Der Spreewald war über Jahrtausende hinweg ein dicht zusammenhängendes sumpfiges Waldgebiet, kaum zugänglich und kaum genutzt. Um den Verfolgungen der deutschen Eroberer zu entgehen, zogen sich die Sorben, die auch als Wenden bezeichnete slawische Volksgruppe, in den Spreewald zurück und lebten dort bis ins 19. Jahrhundert hinein unbehelligt von den Gleichmachern der Geschichte. Heute leben in der Lausitz und im Spreewald rund 60.000 Menschen, die zum Teil noch sorbisch sprechen, eine dem Polnischen und Tschechischen verwandte Sprache, und intensiv ihr Brauchtum pflegen.
Die Sorben entwässerten die sumpfige Spreeniederung und bestellten das Land. Der Boden erwies sich als fruchtbar und läßt jährlich zwei Ernten zu. So wurde der Gemüseanbau zu einem wichtigen Erwerbszweig. Saure Gurken sind eine bekannte Spezialität der Region.
Der Alltag spielt sich im Spreewaldinneren auf dem Wasser und mit dem Kahn ab.
Haustiere werden mit dem Kahn zur Wiese gefahren, landwirtschaftliche Technik darauf zum Feld, der Postbote stakt Pakete und Briefe, die Kinder den Ranzen zur Schule und der Bräutigam seine Braut zum Traualtar.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Fremdenverkehr in dieser idyllischen Region ein. Viele Naturfreunde entdeckten die einzigartige Spreewald-Landschaft, vor allem die Großstädter aus Dresden, Leipzig und Berlin flohen damals schon zuhauf aus ihren hektischen Städten. Das erste Spreewaldhotel, der "Fröhliche Hecht", entstand in Lehde, in dem sich zahlreiche Kunstmaler einmieteten. Mit ihren Landschaftsbildern machten sie den Spreewald binnen kurzer Zeit weit über Deutschland bekannt.
