In der Nacht der Räuber wacht
Der Spessart ist ein großer grüner Fleck auf der Landkarte geblieben. Zwar besitzt auch er nicht mehr paradiesische Ursprünglichkeit, doch mit seinen prächtigen Eichen- und Buchenwäldern, stillen Waldtälern und murmelnden Bächen ist das von Main, Kinzig und Sinn umschlossene Mittelgebirge an der Grenze zwischen Hessen und Bayern natürlicher als viele andere Gegenden Deutschlands.Der Spessart will erwandert werden, auf einem der zahllosen Wege, die ihn kreuz und quer durchziehen.
In einer Landschaft, deren geschriebene Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht und wo sich Wälder, Wiesen und am Rand auch Weinberge und Obstgärten in butem Wechsel ineinanderfügen, ist das Wandern aber nur ein Vergnügen von vielen. Wer altfränkische oder althessische Gaumenfreuden und Kunstgenuß sucht, wird vor allem im Kinzigtal, im Maingau und im engen, von Sandsteinfelsen gesäumten Durchbruchstal des Mains Leckerbissen finden.
"Jedes Leben ist bedroht, mancher ist schon mausetot! Drum, ihr Leut, nehmt euch in Acht, weil in der Nacht der Räuber wacht!", so heißt es in der Erzählung "Das Wirtshaus im Spessart" von Wilhelm Hauff, die auch die Vorlage für den gleichnamigen Film war. Noch in den 1950er Jahren stand an der Stelle, wo heute die Autobahn verläuft, der kleine Gasthof "Wirtshaus im Spessart". Ebenfalls ein Wahrzeichen des Spessart ist das Schloss Mespelbrunn.
Buntsandstein war das von Baumeistern und Bildhauern geschätzte Material, das die Gegend des südlichen Spessarts bekannt gemacht hat. Die Sandsteinquader aus dem leuchtend roten Felswänden waren ein einträgliches Geschäft für die Städte im Main-Spessart.
Klingenberg wurde bereits im Jahre 776 als Weinbauort erwähnt. Dieser Ort hat neben Sandsteinklippen noch einen weiteren lukrativen Bodenschatz zu bieten: blauen Ton.
Mächtig thront das Schloss Johannisburg über Main und Aschaffenburg. Die Anlage ist eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissancebaukunst in Deutschland
Beieiner Reise in die Vergangenheit stößt man im Main-Spessart unweigerlich auf Zeugnisse der Römer. Der Spessart entsprach ihren Vorstellungen von Germanien: unheimlicher Wald und ungezähmte Wildnis, in denen ein paar Barbaren hausten.
Der Moenus, wie sie den Main nannten, war ihnen gerade recht. Zum einen nutzten sie ihn im großen Stil für den Transport von Gütern und Soldaten, zum anderen war er als "nasser Limes" eine natürliche Reichsgrenze, die sie mit zahlreichen Kastellen verstärkten. In Miltenberg standen gleich zwei Kastelle, wegen der Bedeutung des alten Handelsplatzes.
