Auf den Spuren des Wasserdoktors
Sebastian Kneipp wuchs in schlimmer Armut auf. Bereits mit 11 Jahren musster er im Keller des elterlichen Hauses bis abends Leinwand weben. Pfarrer wollte er werden, aber es war kein Geld da für eine Schulbildung oder gar ein Studium. Er verdingte sich als Knecht beim Bauern Stahl in Grönenbach, heute ein Kneippkurort, wo ihm der Kaplan Matthias Merkle unentgeltlich Lateinunterricht gab.1844 fand er dann endlich Aufnahme im Gymnasium zu Dillingen. Doch da ereilte ihn ein weiterer Schicksalschlag: Lungentuberkulose. Damals kaum heilbar und dem Tod geweiht, gaben ihn die Ärzte auf. In dieser Zeit fiel Kneipp das Wasserbüchlein von Johann Siegmund Hahn in die Hände, worin die Anwendung und Wirkung von Wasser ausführlich dargestellt wurde. Nach einem Bad in der eiskalten Donau zeigt die Therapie Wirkung und Kneipp genas so gut, dass er als gesund galt. Sebastian Kneipp absolvierte sein Studium, wurde 1852 zum Priester geweiht und war an verschiedenen Orten als Kaplan tätig.
Als 1854 im schwäbischen Boos die Cholera ausbrach, machte er sich als "Cholerakaplan" alsbald einen Namen mit der Folge, dass er wiederholt wegen Kurpfuscherei angezeigt wurde. 1855 wurde Kneipp zum Beichtvater der Wörishofener Dominikanerinnen berufen. So betrieb er hier seine Wasserkur. 1886 erscheint Kneipps erstes Buch "Meine Wasserkur", das zu einem Welterfolg wurde. Kurz darauf eröffnete er südlich des Klosters ein Badehaus, um den ständig wachsenden Zustro, Genesung Suchender behandeln zu können. Kneipp hielt nun regelmäßig seine "Sprechstunde" und immer mehr Kurhäuser im In- und Ausland arbeiteten nach seinen Methoden.
In Wörishofen errichtete der "Wasserdoktor" mit dem "Sebastianeum", einer Kinderheilstätte und dem "Kneippianum" Stiftungen, die bis heute existieren. Nach einem erfüllten und vor allem in den letzten Lebensjahren auch von Anerkennung getragen Leben verstarb Kneipp am 17. Juni 1897 in Wörishofen.
