Im Moselland
Es gibt viele Betrachtungsweisen zur Mosel, einem der klassischen Reiseziele in Deutschland. Und fast alle haben ihre gewisse Berechtigung. Die große Zahl der Burgen und Burgruinen im Bereich der Untermosel, die mittelalterliche Stadtanlage von Bernkastel, die kurfürstlichen Schlösser in Koblenz und Trier und, natürlich, die berühmten Baudenkmäler aus römischer Zeit in Trier und Neumagen bilden ein historisches Kapital, das sich touristisch nutzen läßt. Der gewundene Lauf des Flusses weckt Entdeckerfreude, macht neugierig, was hinter der nächsten Biegung wartet.Die Mosel ist der größte linke Nebenfluss des Rheins. Von ihren 545 Kilometern Gesamtlänge entfallen 242 Kilometer auf Deutschland, genauer auf Rheinland-Pfalz und das Saarland. Deutschland erreicht der Fluss hinter Apach, von wo aus er bis Remich die luxemburgisch-saarländische Grenze bildet. Von dort bis Wasserbillig trennt er Luxemburg und Rheinland-Pfalz.
Unterhalb Triers bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz durchbricht die Mosel, in teiefem Bett und recht verschlungen, das Rheinische Schiefergebirge und schneidet dabei Eifel und Hunsrück. Dieser Flussabschnitt ist der landschaftlich reizvollste und zugleich ein Zentrum hoher Winzerkunst.
Vor ungefähr 250.000 Jahren fräste sich die Mosel in mehr oder minder engen Bögen durch das Schiefergebirge. An den Außenkurven nagte das Wasser das Gestein weg und schuf so die steilen Prallhänge. In den Innenseiten der Kurven lagerten sich Geröll und Sand ab und bildeten die weicheren Gleithänge.
Ein Blick über das Moseltal zeigt, dass an den Nordseiten kein Wein wächst. Nur die südlich ausgerichteten Prall- und Gleithänge bieten ideale Voraussetzungen für das Gedeihen eines edlen Tropfens. Die Böden der manchmal nur wenige Quadratmeter großen Weinbauflächen an der Mosel bestehen größtenteils aus Devonschiefer (schwarzgrau bis blau) und weichem Tonschiefer (gelbbräunlich), zum Teil auch aus verwittertem Vulkangestein und Buntsandstein (rötlich). Die Bodenstruktur bestimmt den Charakter des Weines, das Aroma, die Gewürznote und die Dichte.
An der Obermosel gedeihen auf dem Muschelkalk vorzugsweise die Elblingreben, aber auch dieBurgundersorten Auxerois und Ruländer. An der Mittelmosel wächst in den Steillagen vor allem die Rieslingtraube, aber auch Weißburgunder, Grauburgunder und Kerner. In den Gleithanglagen findet man dann noch Spätburgunder und Trollinger, die hier früher stärker vertreten waren.
An der Terrassenmosel, wie die untere Mosel auch genannt wird, liegen die Terrois großer Rieslinge. Der letzte Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus gilt als großer Förderer der Rieslingrebe. 1787 wollte er entlang der Mosel zur Qualitätsverbesserung des heimischen Weinbaus alte Sorten durch die neue Rebe ersetzen lassen. Das Vorhaben scheiterte wegen der Besetzung durch die Franzosen. Erst nach 1830 wurde der Riesling zur dominierenden Rebsorte und erreichte in den 1920er Jahren den höchsten Anteil mit rund 90 Prozent der gesamten Rebfläche.
An Wochenenden und in der Hauptsaison ist an vielen Orten eine laute Fröhlichkeit anzutreffen. Wer Ruhe sucht, sollte die ausgetretenen Pfade verlassen. Manchmal reicht auch ein Spaziergang an einem frühen Sommersonntagmorgen, wenn alle noch schlafen und die Sonne den Dunst vom Fluss vertreibt, um jene Atmosphäre zu spüren, die das Wasserband zwischen Hunsrück und Eifel berühmt gemacht haben.
