Das Land der Bocksbeutel und Madonnen
Mainfranken ist eine Landschaft von sanfter Schönheit. Die Menschen sind eng mit ihrer Heimat und deren Geschichte verbunden, leben im Einklang mit der unverfälschten Natur. Mainfranken, das ist Weinfranken. Hier wird der Rebensaft in die markanten Bocksbeutelflaschen gefüllt. Apropos Bocksbeutel: Der Name für diese frankentypische Flaschenform meint genau das, was er sagt: den Beutel des Bocks, also jenes Organ, durch das sich der Geißbock eindeutig von der Ziege unterscheidet - eine recht bildhafte weinbäuerliche Übersetzung für die französische Bouteille.In diese gedrückte Flasche wurde seit dem frühen 18. Jh. ein Wein namens "Würzburger Stein" gefüllt und hernach versiegelt. Der bis dahin nur als Medizinflasche verwendete Bocksbeutel wurde zum Qualitätsmerkmal für den "reinen" Frankenwein und steht gewissermaßen als Symbol für Franken schlechthin.
Auf seinen rund 500 Kilometern fließt der Main vor allem durch die zwischen 195 und 230 Millionen Jahre alten Gesteinsformationen der sogenannten Germanischen Trias: Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein - Mineralien, die den Geschmack des Frankenweins so unverwechselbar machen.
Die Haßberge sind in mancherlei Hinsicht ein Grenzland. Mit ihnen endet der Süden Deutschlands und geht gemächlich grün, ohne aufregende Erhebungen oder tiefere Abstürze, zur Mitte über.. Auch das Bayerisch-Fränkische, der Einfluß von Bamberg und Würzburg, beginnt hier, jenseits des "Weißwurst-Äquators", langsam auszuklingen.
Der Steigerwald, Teil des Fränkischen Stufenlandes, ist wie sein nördlicher Nachbar Haßberge in weiten Teilen ein Naturpark. An die 50 Kilometer von Nord nach Süd und gut 30 Kilometer in Ost-West-Richtung erstreckt sich das Mittelgebirge. Ein vortreffliches Wanderland, das auch Mit Kultur und Wein nicht geizt.
Das Gebiet um die Volkacher Mainschleife gilt als das Herz Mainfrankens. 40 Prozent der fränkischen Weinproduktion werden hier auf einer Rebfläche von 2400 Hektar erzeugt.
Die Landschaft hinter dem südlichen Maindreieck prägen leicht wellige, riesige Agrarflächen. Diese offene Gegend ohne Vordergrund und Unterschlupf ist ziemlich das Gegenteil zu all den Städtchen ringsum, deren mittelalterliche Ensembles einladende Kulissen für Weingenuß aus dem Bocksbeutel bieten.
Würzburgs Gesicht hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg gewandelt. Doch obwohl manche Feinheit im Straßenbild verlorengegangen ist, präsentiert Würzburg nach wie vor Barock in Überfülle.
Typisch für das Frankenland sind die Fachwerkhäuser - klar und einfach in der Form, ohne verzierte Balken. Bezeichnend für diese Bautechnik sind die starken senkrechten Balken, die als Ständer dienen, waagrechte Riegel mit schrägen Streben dazwischen, die das Ganze fest und stabil halten.
Neben dem Bocksbeutel gibt es in Mainfranken - vorausgesetzt, die Gegend ist gut katholisch - noch etwas ganz Typisches: den Bildstock, oft über drei Meter hoch und von Bildhauern angefertigt. Der heilige Kilian, Frankens Schutzpatron, begegnet dem Betrachter häufig auf diesen Bildstöcken, und manchmal kann man ganz ungewöhnliche Inschriften entdecken: "Heiliger Kilian. Der Schutzpatron unserer Heimat beschütze uns von unreiner Luft, vor ungenießbare, Wasser und verseuchter Erde. Gib allen Verantwortlichen den Geist der Vernunft und Einsicht. Amen."
