Eine Ferienlandschaft aus dem Bilderbuch
Allgäu - welche Vorstellungen verbinden sich mit diesem Wort? Vor allem wohl dies: sattgrüne Viehweiden, Klang von Kuhglocken, urwüchsige Berghirten auf gastfreundlichen Almen, die hier Alpen heißen, riesige Mengen Milch, aus der man meist Käse in vielen Variationen macht, die Berge der Allgäuer Alpen mit luftigen Klettersteigen über schroffe Gipfel und Grate, in den Tälern und im Land vor dem Gebirge viele bekannte geschichtsträchtige Orte und Städte, Burgen und Schlösser, Kirchen und Klöster.Das Allgäu war ein territorialer Spielball wechselnden geistlicher und westlicher Herrschaften. Nach dem Ausgang der Napoleonischen Kriege wurden 1805 die Territorien von der Donau bis zum Bodensee dem neuen Königreich Bayern zugeschlagen, was durchaus nicht ohne den Widerstand der Bevölkerung vor sich ging. Im Allgäu hat zweifellos die Natur Vorrang.
Die Landschaft wirkt niedlich, ja manchmal regelrecht putzig. Das mag daran liegen, dass die Berge fast nirgends abweisend schroff und karg, sondern immer mit dem leuchtenden Grün saftiger Wiesen überzogen sind. Auf den sanft ins Tal abfallenden Hängen liegen, wie mit lockerer Hand hineingestreut, einzelne Höfe. Hier ist die Natur noch in Ordnung, denkt der Städter. Tatsächlich aber sind die satten Matten Kulturlandschaft, von Menschenhand geschaffen. Würde der Mensch nämlich nicht ordnend eingreifen, wären die Alpen alsbald von dichtem Urwald überzogen.
Der Allgäuer ist ein besonderer Menschenschlag: rauh, aber herzlich, zurückhaltend, aber freundlich. Die mundart ist schwäbisch-alemannisch geprägt. Man ist gerne auf sich allein gestellt und hält seinen Hof zusammen.
Das Allgäu lag immer ein wenig zwischen den Welten. Es war nicht Altbaiern, war nicht Schwaben. Es gehörte nie zur Schweiz. Und weder Vorarlberg noch Tirol wurden als mögliche Heimat in Erwägung gezogen. Immer blieben die Allgäuer eigenwillig. Früher wurde neben der Viehzucht der Anbau von Flachs betrieben und das Leinen gewoben. Fast jeder Bauernhof hatte seine Webstube oder seinen Webkeller. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Baumwolle das Leinen verdrängte, war die Not im Allgäu am größten und viele wanderten in die Neue Welt nach Amerika aus. Erst mit der intensiven Milchwirtschaft wurde das flachsblaue Allgäu zum grasgrünen Allgäu. Dieser Veränderung brachte den Menschen eine Wende zum Besseren.
